Heute nehme ich dich mit auf Besuch in eine chilenische Familie, damit du schon eine gewisse Ahnung hast, was dich erwartet, sobald du mit Chilenen näher in Kontakt trittst…

Ich erinnere mich zurück an einen sonnigen Sonntag im August 2013, als mich Camila, eine chilenische Freundin, zu sich nach Hause einlädt. Camila ist begeistert mit einer Deutschen befreundet zu sein und möchte mir ihre Kultur näherbringen. Ich habe sie auf einer Busfahrt von Concepción nach Temuco kennengelernt und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden (auch wenn mein Spanisch noch eher holprig war…).

Wir fahren also mit einer micro zu ihr nach Hause, wo ihre Eltern und zwei Schwestern mit ihr wohnen. Camila ist 21 und ihre Schwestern 24 und 28.

Alle wohnen noch zu Hause.

In Chile ist es üblich, dass die Kinder sehr lange zu Hause wohnen, viele bis sie 30 sind oder sogar noch länger. Das kommt daher, dass die Studiengebühren sehr hoch sind und die Kinder, wenn sie dann fertig mit dem Studium sind und arbeiten, erst noch lange den Kredit zurückzahlen müssen und sich einfach die Miete nicht leisten können. Vor allem nicht alleine.

Wir kommen also in einem typisch-chilenischen Flachdachhaus an, das hellbraun gestrichen ist, einen kleinen Garten hat und rundum eingezäunt ist. Generell sind die Häuser in einer chilenischen Durchschnittsfamilie kleiner als in Deutschland und es hat auch nicht jedes Kind sein eigenes Zimmer. Was man ganz sicher in jedem chilenischen Haushalt findet, in jeder Einkommensschicht, ist ein TV und ein Smartphone (das Smartphone auch schon für die ganz Kleinen).

Camilas Familie begrüßt mich strahlend und sehr freundlich auf die typisch chilenische Art: Küsschen auf die linke Wange und die Frage danach, wie es mir geht.

Ich fühle mich sofort willkommen.

Anschließend setzen wir uns an den großen Esstisch, der mitten im Wohnzimmer steht. Ich schaue mich verstohlen im Wohnzimmer um, während die Familie von mir wissen möchte, was ich in Chile mache. Typischerweise gibt es keinen Eingangsbereich mit Garderobe und Schuhregal in chilenischen Häusern, sondern du stehst sofort mitten im Wohnraum.

Auch im Wohnraum selbst findest du keine Garderobe oder Schuhablage.

Oft lassen Chilenen ihre Straßenschuhe einfach an und ziehen sie erst aus, wenn sie ins Bett gehen.

Ich beantworte also die Fragen der netten Familie und stelle auch selbst neugierig ein paar. Ich erfahre, dass die Eltern beide berufstätig sind, die Mutter arbeitet als Lehrerin, der Vater als Anwalt. Im Gegensatz zu Deutschland ist Lehrer allerdings kein gut bezahlter und angesehener Job, sondern wird nur sehr gering entlohnt in Chile und hat auch kein gutes Image. Sehr schade, wie ich finde.

Was mir auch sofort auffällt: Zwar sind beide Eltern berufstätig, aber der Haushalt scheint ganz automatisch Frauensache zu sein. Denn während Camilas Vater gemütlich am Tisch sitzt und mit mir plaudert, macht Camilas Mutter in der Küche die letzten Vorbereitungen für das Essen. Auch in Chile findet ein Umdenken in der klassischen Rollenverteilung statt, aber ich habe den Eindruck, eher in der jüngeren Generation…

Na, bist du schon gespannt, was es zu essen gibt?

Ensalada chilena. Quelle: Fanfo, Shutterstock.com

Ensalada chilena. Quelle: Fanfo, Shutterstock.com

Also los: Als Vorspeise gibt es einen ensalada chilena, das ist ein Salat (ok, das hast du dir sicher schon gedacht…) mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und zu meinem Leidwesen auch mit Koriander… ansonsten aber sehr lecker. Diesen Salat findest du auch in jedem chilenischen Restaurant, falls du nun Blut geleckt hast.

Als Hauptspeise gibt es auch ein typisch chilenisches Gericht:

Pástel de choclo.

Pástel de choclo. Quelle: Ildi Papp, Shutterstock.com

Pástel de choclo. Quelle: Ildi Papp, Shutterstock.com

Das ist ein Maisauflauf, choclo bedeutet in Chile nämlich Mais (in Spanien wäre es ein Holzschuh Smiley ). Was da drin ist? Genau, ähm, Mais, Zwiebeln, Paprika, Eier, Maismehl, Rinderhackfleisch, allerlei Gewürze, Olivenöl, Milch… das war’s im Groben. Schmeckt auf jeden Fall echt lecker und solltest du unbedingt probieren.

Und als Nachtisch? Gab es eine brazo de reina. Was ist das nun wieder? Vielleicht kennst du die Spezialität dulce de leche schon, das wie Karamell schmeckt. Die brazo de reina ist dulce de leche mit Kuchen drumherum. Sehr süß, wie die meisten chilenischen Süßigkeiten, aber die brazo de reina musst du auf jeden Fall auch testen.

Ist auf jeden Fall eine Sünde wert.

Quelle: YARUNIV Studio, Shutterstock.com

Quelle: YARUNIV Studio, Shutterstock.com

 Was es bei Chilenen auch gerne zum Nachtisch gibt, ist eine Tasse Tee. Die Chilenen lieben ihren Tee, für den sie extra eine „Teestunde“, die sogenannte „once“, anberaumt haben: nachmittags gegen 17/18 Uhr, meist mit einem Stück Torte dazu. Aber Warnung an alle Früchtetee-Liebhaber: Es handelt sich dabei meist um Schwarztee…

Jetzt habe ich die ganze Zeit vom Essen erzählt, doch was ist eigentlich mit den Getränken? Chilenen kaufen sich sehr gerne ein Saftpulver, das in Wasser aufgelöst auch tatsächlich wie Saft schmeckt.

Das gibt es in allen möglichen Geschmacksrichtungen.

Ananas, Apfel, Erdbeere usw. Bei meinem Besuch gibt es eine große Karaffe mit Ananassaft. Natürlich werden auch die gängigen Softdrinks wie Cola und Sprite gerne getrunken. Fanta konnte ich nirgends entdecken, dafür aber Inka Kola (ja, das schreibt man wirklich mit k…), das ist eine peruanische Version von Fanta, schmeckt aber definitiv anders – für meinen Geschmack nicht schlecht, aber probier am besten selbst.

Und was ist mit Wasser? In einigen Städten Chiles, zum Beispiel in Concepción, kannst du bedenkenlos Leitungswasser trinken, in Santiago aber zum Beispiel nicht. Frage am besten die Einheimischen, ob das Leitungswasser getrunken werden kann oder besser nicht. Ich habe in Concepción immer Leitungswasser getrunken und hatte nie Probleme damit.

Nach einem leckeren Essen und schönen Gesprächen über Chile und Deutschland geht es nun ans Aufräumen.

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Chile keine Spülmaschinen.

Höchstens in ganz reichen Haushalten, aber erstens gibt es nur sehr wenige richtig Reiche in Chile und zweitens haben die Reichen auch eine „nana“ (= Haushälterin), die sich um den ganzen Haushalt kümmert, sodass oft auch in diesen Häusern keine Spülmaschine die Arbeit übernimmt, sondern eben die nana. Daher wird also alles gespült und dann in einen Abtropfbehälter gestellt, damit nicht das ganze Geschirr abgetrocknet werden muss.

Camila zeigt mir an diesem Nachmittag noch die Gegend in der sie wohnt zu Fuß. In der Nähe gibt es eine kleine Lagune, an der wir es uns gemütlich machen, während der Nachmittag langsam ausklingt.

An diesem Tag bin ich der chilenischen Kultur ein gutes Stück nähergekommen und ich hoffe, du nun auch!

Schade, dass der Ausflug in die chilenische Kultur schon vorbei ist? Dann komm nach Chile und tauche selbst ein!

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