Stell dir vor, du kommst in Chile an und trittst auf der Straße zum ersten Mal in Berührung mit dem chilenischen Spanisch. Vielleicht hast du eine Einheimische in deinem Alter – nennen wir sie Alejandra – nach dem Weg zu einem Supermarkt gefragt und da sie ganz sympathisch wirkt und dein unperfektes Spanisch auch zu verstehen scheint, kommt ihr ins Gespräch.

Auf einmal fallen Sätze wie „ah, que buena onda! Bacán! Ya. Nos vemos!“ oder „me cachai, o no?“, „Pucha, que fome. No conoces a nadie acá? Te voy a presentar a mi pololo y a todas mis amigas!“

Moment. Was zur Hölle hat sie da gerade von sich gegeben?!

Wäre es nicht viel cooler, das sofort zu verstehen?

Damit du Alejandra nicht verständnislos anstarrst und womöglich eine Einladung ausschlägst, zu der du gerne erscheinen würdest, klären wir hier einige der gängigsten chilenischen Wörter…

Erst mal ganz simpel, am Ende einer Unterhaltung, verabschieden sich Chilenen gerne mit einem „Ya [dein Name]. Nos vemos. Chau!“ Ok, das mit dem „nos vemos, chau“ ist ja noch ganz einleuchtend. Aber warum sagen die Ya, das übrigens genauso ausgesprochen wird wie unser deutsches Ja?!

Das Ya entspricht in etwa unserem deutschen „gut“ und wird in Chile häufig einfach zur Abrundung eines Satzes oder auch eines kompletten Gesprächs verwendet. Z.B: „Ya Lisa, nos vemos más tarde en el Bar Rio.“ Übersetzt: Also gut Lisa, wir sehen uns dann später in der Bar Rio.

Und was soll das mit diesem „Cachai“?! Erwarten die da eine Antwort drauf?

Chilenen vergewissern sich gerne, dass du verstanden hast, was sie dir eben erzählt haben – nicht, weil du Ausländer bist, sondern einfach generell, egal bei welchem Gegenüber. Das tun sie mit dem kleinen Wörtchen „cachai“, das sich vom Englischen „to catch“ ableitet – das bedeutet in etwa „fangen“. Da im chilenischen Spanisch in der 2. Person Singular – die du-Form – nicht wie typischerweise in den anderen spanischsprachigen Ländern die Endung -as / -es verwendet wird, sondern -ai, kommt das auch bei dem Wörtchen cachai zum Ausdruck.

Die Vergewisserung, ob du verstanden hast was dir eben erzählt wurde, holen sich Chilenen auch gerne mit „Me entendi?“ Im „normalen“ Spanisch würde das „me entiendes?“ heißen, aber da Chilenen, wie gesagt die 2. Person Singular anders nutzen als die übrigen spanischsprachigen Länder, wird ein entendi daraus. Entiendi kann wohl niemand aussprechen, deshalb hat es sich zum entendi entwickelt. Alejandra könnte also sagen: „Muchas veces estoy cansada por las mañanas. Me cachai o no?“ (Ich bin sehr oft morgens müde. Du verstehst mich, oder?) Alternativ zu „me cachai o no“ wäre dann „me entendi?“ Chilenen antworten dann meist „Si po, te cacho“ (Ja doch, ich verstehe dich) darauf. Was uns zum nächsten Wörtchen überleitet…

Si po. Oft auch Ya po.

Das Wörtchen –po leitet sich vom spanischen pues ab, was mit „also“, aber auch „doch“ übersetzt werden kann. Das bedeutet, „si po“ drückt den Halbsatz „ja doch“ aus. Fragen, die ein ja zur Antwort haben, beantworten Chilenen daher meist mit einem „si po“. Das –po wird aber auch gerne an andere Satzenden hinzugefügt: „Por eso voy a la universidad po“. Solche Sätze können nicht immer 1:1 ins Deutsche übersetzt werden (hier in etwa: „Eben deswegen geh ich doch zur Universität“). Du kannst dir hier einfach merken, dass das –po als Nachdruck oder auch Bekräftigung des eben Gesagten gilt.

Du wirst von Alejandra bestimmt grinsend und wissbegierig gefragt:

„Tienes pololo/polola?“

Polo… was? Ich kenn nur pollo, und das heißt Hähnchen?!

Einige Wörter des chilenischen Spanisch leiten sich vom Mapudungún ab, das ist die Sprache der Ureinwohner Chiles. Diese Ureinwohner heißen Mapuche. So leitet sich auch pololo bzw. polola aus dem Mapudungún ab, was übersetzt fester Freund bzw. feste Freundin bedeutet. Mit dieser Frage möchte Alejandra also wissen, ob du in festen Händen bist – stell dich darauf ein, das oft gefragt zu werden; Chilenen sind sehr neugierig und möchten Bescheid wissen über dein Liebesleben…

Da ihr euch sympathisch seid, bist du mit Alejandra inzwischen in einem typisch chilenischen Restaurant gelandet in dem es leckere Empanadas gibt – und wartest, bis euch jemand bedient. Der Kellner ruft dir im Vorbeigehen hektisch zu:

„Voy al tiro!“

Moment – wohin geht der?!

In Spanien hätte dir der Kellner „voy en seguida“ zugerufen oder auch „un momento por favor“. Was in Spanien die beiden Wörtchen „en seguida“ sind, ist in Chile „al tiro“ und bedeutet „sofort“ – das heißt der Kellner möchte dich in diesem Beispiel sofort bedienen, muss aber noch kurz etwas Anderes erledigen. In den übrigen Ländern Lateinamerikas kann man mit „al tiro“ übrigens nichts anfangen und würde dich vermutlich schräg anschauen, wenn du diesen Ausdruck benutzt.

Während ihr eure Empanadas im Restaurant genießt, sagt dir Alejandra dann noch verträumt:

„Y más encima, Chile es un país lleno de contrastes.“

Encima – klingt irgendwie wie cinema… Kino? Oder was soll mir das sagen?

Más encima bedeutet so viel wie außerdem, darüber hinaus und betont eine Sache nochmal extra. Das Wörtchen encima selbst hat mehrere Bedeutungen – über, etwas bei sich haben, oberhalb, oberflächlich… die unterschiedlichen Bedeutungen kann man anhand der Präpositionen herausfiltern, d.h. encima wird oft mit por encima, encima de in Verbindung gebracht. In diesem Beispiel ist es das Wörtchen „más“. Alejandra sagt dir also, dass Chile darüber hinaus – wahrscheinlich habt ihr euch in den Sätzen zuvor schon ausführlich über die tolle Kultur Chiles unterhalten – ein Land voller Kontraste ist.

Ihr unterhaltet euch über Ausbildungen und Studium und Alejandra sagt leicht genervt etwas im Stil von:

„Ah que fome, todos los días tengo que estudiar hasta las una de la mañana.“

– Okay, das mit dem lernen hast du sicher noch kapiert, aber was soll fome sein? Noch nie gehört…

Fome entspricht in etwa dem Spanischen „aburrido“ – das heißt, es bedeutet langweilig, öde. Anders als das Wörtchen aburrido kann fome nicht in die Form „estoy …“ (= ich bin…) übertragen werden – estoy fome existiert also nicht. Fome wird immer mit „que fome“ (= wie langweilig) verwendet, während aburrido mit „estoy aburrida/aburrido“ ausgedrückt werden kann (je nachdem ob man weiblich [a] oder männlich [o] ist, verwendet man entweder aburrida oder aburrido – die Übersetzung entspricht in etwa dem deutschen Ausdruck „ich bin gelangweilt“).

Sicher möchte Alejandra auch sehr neugierig von dir wissen, wie lange du überhaupt in Chile bleibst. Nachdem sie deine Antwort gehört hat, sagt sie begeistert „Bacán!“. Äh, was ist mit Banken?!

Bacán bedeutet toll.

Nicht sarkastisch gemeint, sondern im positiven Sinne. Dabei steht bacán aber nur für Personen und Dinge – das Wetter beispielsweise kann also nicht „bacán“ sein. Chilenen benutzen bacán sehr oft. In diesem Beispiel findet Alejandra es also toll, dass du längere Zeit in Chile bleiben möchtest – weil Chilenen stolz auf ihr Land sind und sich geehrt fühlen, wenn Ausländer ihr schönes Fleckchen Erde zu schätzen wissen…

Nach dem Essen scheint Alejandra auf einmal etwas müde und träge zu sein und meint:

„Ayer he tomado caleta cerveza…“

– Ok, cerveza heißt Bier, aber caleta Bier?! Hä?

Das chilenische caleta entspricht dem spanischen „mucho/-a“ – caleta heißt daher schlicht und einfach „viel“. Alejandra meint also, dass sie viel Bier getrunken hat. Caleta wird in Chile oft in Kombination mit dem Wörtchen „cachai“ verwendet, das wir weiter oben schon besprochen haben, oder auch mit „caleta trabajo“ – viel Arbeit. Im Falle von cachai sagen die Chilenen gerne „cachai caleta!“ – umgangssprachlich im Deutschen wohl: „Du checkst aber viel!“. Das cachai caleta hat fast immer einen sarkastischen Beiklang…

Alejandra versucht nun wieder hochkonzentriert, dir nach dem Restaurantbesuch mithilfe von Google Maps auf ihrem Handy einen schnelleren Weg zu deinem Hostel zu erklären. Das Handy scheint nicht richtig zu funktionieren. Plötzlich sagt sie frustriert:

„Pucha, esa wea me molesta tanto…“

Okay, irgendwie hab ich jetzt nur die Hälfte davon verstanden?! So jedes zweite Wort?! Ok, ok… wir fangen ganz langsam an. „Pucha“ – bedeutet, dass sich jemand über eine andere Person oder über eine Sache ärgert. Es kann auch mit „wie blöd!“ oder „Mist!“ übersetzt werden – „oh je“ ist auch noch eine Variante.

„Wea“ steht für Ding, Sache oder Gegenstand. Meistens hat es eine negative Behaftung, beispielsweise, wenn sich Chilenen darüber aufregen, dass aus der Dusche nur kaltes Wasser kommt. Würde es um eine neutrale oder positive Sache gehen, benutzen die Chilenen das Wort „cosa“, das du bestimmt aus dem Spanischunterricht kennst.

Das Beispiel von oben können wir also übersetzen mit „Mist, dieses Ding [Handy] stört mich total / geht mir so auf den Geist…“

Vielleicht bist du irgendwann später mit Alejandra und noch ein paar weiteren Chilenen in einer kuschligen Bar unterwegs. Dann kann es vorkommen – vor allem wenn sich unter den Chilenen auch Männer befinden – dass plötzlich ein Mann schwungvoll zu seinem Kumpel sagt:

„Oye weón, pásame la cerveza!“

Aha, er will wohl, dass der andere ihm sein Bier gibt. Aber was hat es mit diesem weón auf sich?

Weón ist die männliche Form dieses Ausdrucks, weona die weibliche. Er wird aber häufiger unter Männern benutzt. Dabei kann es sowohl eine positive, wohlwollende Emotion zum Ausdruck bringen als auch eine negative, von Ärger behaftete. Handelt es sich um einen Freund, kann weón positiv ausgelegt und mit „Kumpel“ oder auch „Alta“ übersetzt werden. Ich war auch schon öfter anwesend, als ein Vater zu seinem Sohn „weón“ gesagt hat – nichts Ungewöhnliches. Handelt es sich allerdings um einen „Feind“ oder jemanden, der dem Sprecher unsympathisch ist, solltest du „weón“ eher unserem „Idiot“ gleichsetzen. Außerdem kann weón auch dann genutzt werden, wenn der Sprecher den anderen zwar durchaus mag, im Moment aber sauer auf ihn ist oder ihn nicht versteht.

Nach einiger Zeit kannst du sicher sehr leicht herausfinden, ob weón in dem jeweiligen Fall positiv oder doch eher beleidigend ausgelegt werden sollte.

Hier nochmal der Überblick aller genannten Wörter in diesem Artikel:

  • Si po

  • Ya

  • Cachai

  • Me entendi

  • Caleta

  • Pololo

  • Fome

  • Pucha

  • Más encima

  • Al tiro

  • Bacan

  • Weón

  • La wea

Du möchtest noch mehr chilenische Wörter kennenlernen? Dann hol dir hier die kostenlose Übersicht.

Spread the love